Dein Stress & Du
und warum du nicht gegen ihn kämpfen solltest
Nicht dein Kopf entscheidet, was dich stresst!
Stress entsteht nicht allein durch äußere Umstände. Er entsteht durch die Bewertung einer Situation als sicher, unsicher oder lebensbedrohlich. Und wer nimmt diese Bewertung vor? Es ist dein autonomes Nervensystem.
Seine Aufgabe ist es, deinen Körper im Gleichgewicht zu halten und dein Überleben zu sichern. Es reguliert automatisch lebenswichtige Prozesse wie Atmung, Herzschlag und Verdauung – und passt diese fortlaufend an den Bedarf in der jeweiligen Situation an.
Um die aktuelle Situation einzuschätzen, scannt dein Nervensystem unentwegt deine Umgebung und deinen Körper auf Signale von Sicherheit oder Gefahr ab. Dieser Vorgang wird Neurozeption genannt und läuft vollkommen automatisch – außerhalb deines Bewusstseins – ab.
Neurozeption
Wie klingt die Stimme meines Gegenübers?
Wie ist der Gesichtsausdruck?
Wie nah kommt mir jemand?
Wie fühlt sich mein Körper gerade an?
Wie ist die Stimmung im Raum?
Gibt es vertraute, regulierende Reize?
Dabei geht es nicht nur um offensichtliche Gefahren. Schon subtile Signale, z.B. ein angespannter Tonfall, schnelle Bewegungen, körperliche Empfindungen, stuft dein autonomes Nervensystem womöglich als „unsicher“ ein. Und noch bevor dein Verstand die Situation bewusst einordnen kann, hat dein autonomes Nervensystem dies bereits getan!
Je nach Einschätzung deiner Lage entscheidet es dann darüber, welche seiner drei Verhaltenssysteme es mehr oder weniger aktiviert und wohin im Körper Ressourcen fließen.
Das soziale Kontaktsystem (Verbindung) – bei Signalen von Sicherheit
Ventraler parasympathischer Zweig
Das Mobilisierungssystem (Kampf/Flucht) – bei Signalen von Gefahr
Sympathischer Zweig
Das Immobilisierungssystem (Shutdown) – bei Signalen von Lebensgefahr/Überwältigung
Dorsaler parasympathischer Zweig
*nach Stephen Porges
In Momenten, in denen dein Nervensystem Sicherheit wahrnimmt, unterstützt es zum Beispiel Regeneration, Verdauung und soziale Interaktion. In Situationen, die als bedrohlich eingeschätzt werden, mobilisiert es blitzschnell Energie, damit du unmittelbar reagieren kannst (z.B. Angriff, Verteidigung, Flucht – auch auf emotionaler Ebene). Und in Situationen, die es als überwältigend oder lebensbedrohlich bewertet, fährt es alle Prozesse auf ein Minimum herunter und geht in den Shutdown (z.B. Dissoziation, Isolation, Burnout), um Energie zu sparen und die Situationen irgendwie zu überstehen.
Dein Nervensystem reagiert dabei auf subjektive, oft unbewusst erlebte Signale von Sicherheit oder Gefahr – nicht auf die objektive Realität!
Wie es die Situation genau bewertet hängt dabei von deinem individuellen Grundzustand ab. Dieser ist geprägt durch deine bisherigen Erfahrungen und aktuellen Lebensumstände. Deshalb können zwei Menschen in ein und derselben Situation völlig unterschiedlich reagieren.
Es entscheidet also nicht dein Verstand darüber, was dich stresst und was nicht – sondern der Zustand deines Nervensystems. Und folglich beeinflusst dieser auch maßgeblich, welche Gedanken du hast, was du fühlst und wie handelst.
Zwischen Regulation und Dysbalance
Prinzipiell ist dein Körper resilient – also fähig, Stress auszuhalten, abzubauen und nach einer aktivierenden Situation wieder ins Gleichgewicht zurückzufinden. Dieses Pendeln zwischen Aktivierung und Entspannung ist gesund. Es zeigt, dass dein System flexibel ist.
Doch verschiedene Situationen in deinem Leben, z.B. Dauerstress oder überwältigende Ereignisse, können dazu führen, dass dein Nervensystem in eine chronische Dysregulation gerät. Dann findet dein Körper nicht mehr von selbst zurück in ein gesundes Gleichgewicht. Dein Nervensystem befindet sich gewissermaßen in einem dauerhaften Überlebensmodus, in dem es durch bestimmte Verhaltensmuster versucht, dich zu schützen. Es hat an Flexibilität und Kapazität eingebüßt und schafft es nicht mehr zurück in eine gesunde Balance.
Diese chronische Dysregulation hat sich quasi in deinem Körper, in deiner Neurobiologie eingenistet und sich dort ihr Sicherheitsnetz gebaut.
Sie hat sich eigene neuronale Pfade geknüpft – Pfade, die sie mit Vorliebe nimmt und die ihr das trügerische Gefühl geben: Hier bin ich sicher.
Diese Pfade werden zu festgefahrenen Stressmustern wie z.B. sozialer Rückzug, People Pleasing, Aggression als Abwehrreaktion oder übermäßiger Perfektionismus. Oder auch zu Kompensationsstrategien, die uns kurzfristig Erleichterung verschaffen: endlos Serien schauen, Social Media, Süßigkeiten, Alkohol – alles, was den inneren Lärm kurz leiser macht.
Um diese Wege zu verlassen und neue zu bahnen, die dich zurück in ein gesundes Gleichgewicht bringen, reichen kognitive Methoden oder kurzfristige Entspannungstechniken nicht aus. Es braucht einen Ansatz, der dem Stress in der Tiefe begegnet. Dort, wo er entstanden ist und sich in Form von Schutzstrategien verfestigt hat: in deinem Körper.
Dein Stress ist nicht dein Feind!
Dein Stress mit seinen ungeliebten Verhaltensmustern ist also eine Reaktion deines autonomen Nervensystems, das dich schützen will und hierfür deinen Körper in einen Alarmzustand versetzt.
Wenn du beginnst, Stress nicht als deinen Feind zu sehen, sondern als kluges Signal deines Körpers, kann sich etwas Grundlegendes verändern: Du hörst auf, gegen dich selbst zu kämpfen. Weg von Selbstzweifeln, Weg-Haben-Wollen und Selbstoptimierung – hin zu Selbstmitgefühl und einer wohlwollenden Hinwendung zu deinem Körper und seinen Signalen. Schon allein diese Hinwendung kann dein System spürbar entspannen!
Stress ist also kein Feind, der beseitigt oder gemanagt werden muss,
sondern eine körperliche Reaktion, die dich schützen und die gehört werden will.
Körperorientiertes Stresscoaching ist der Schlüssel
Und genau hier setzt auch meine Coaching-Methode an: Mit meinem ganzheitlichen, somatischen Stresscoaching lernst du, deinem Körper wieder wirklich zuzuhören – seine Signale und Impulse wahrzunehmen und ihnen zu folgen, damit angestauter Stress sich lösen und transformieren kann. Was dank Neuroplastizität – der lebenslangen Wandlungsfähigkeität deines Nervensystems – möglich ist. Durch neue, sichere Erfahrungen im Körper können alte Stressmuster umgelernt und neue, unterstützende Reaktionsweisen nachhaltig verankert werden.
